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 Unfall in Zürich am Limmatquai

Rudolf Weber

Zürich, Unflaa mit Traction Avant

Foto: Stadt Zürich via Tagesanzeiger

Ein vermutlich tragischer Unfall ereignete sich 1939 in Zürich am Limmatquai. Eine Citroën Limousine vom Typ Traction Avant kollidierte mit einem Ausläufer, welcher mit Velo und Anhänger unterwegs war. Man kann sich denken, mit welcher Wucht der Aufprall erfolgt sein muss, wenn man die Distanz zwischen dem Fahrrad und dem dazu gehörigen Anhänger betrachtet. Weisse Kreidelinien am Boden zeigen, wie weit das Fahrrad und der Anhänger geschlittert sind. Es darf vermutet werden, dass der Zusammenprall ganz am unteren Bildrand erfolgte. Vielleicht wollte der Tractionist dem entgegenkommenden Tram ausweichen und rammte dabei den Ausläufer. Ob der Velofahrer die Kollision überlebt hat, ist nicht überliefert. Falls ja, dürfte der Unfall wohl zu schweren Verletzungen geführt haben.

Heute wird in Zürich lautstark die Förderung des Veloverkehrs gefordert. 1939 waren sicher mehr Fahrräder als heute auf Zürichs Strassen zu sehen, doch drohten ihnen, damals wie heute, schwere Unfälle, ist der Velofahrer doch völlig schutzlos unterwegs.

Interessant ist das Bild auch aus weiteren Gründen. Zwar erreichte die Traction Avant nach dem Krieg in der Schweiz eine grössere Verbreitung, doch war sie vor dem Krieg sehr selten zu sehen. In der Schweiz dominierten für die wenigen, die sich ein Auto leisten konnten, eher Amerikanerwagen oder vielleicht deutsche Fabrikate. Eigentliche Volksfahrzeuge, wie etwa die in den USA angebotenen Ford-Modelle T und später A, existierten in Europa noch nicht. Man kann sich vorstellen, dass das Unfallauto eine Exklusivität war und dass dessen Fahrer dank der ausserordentlichen Fahreigenschaft seiner Traction Avant viel zu rasch Richtung Bahnhof unterwegs war, so wie heute die jungen Leute mit ihren getunten Audi und BMW.

Der andere Grund, das Bild zweimal zu betrachten, liegt darin, dass die Fotografie auch Zürichkenner irritiert. Es handelt sich zwar eindeutig um den Limmatquai doch wo genau steht der Betrachter? Aufschluss gibt das Gebäude im Hintergrund des Trams. Rechts davon steigt die Weinbergstrasse in die Höhe und die Stützmauer gegen den Zürichberg ist heute noch unverändert vorhanden. Davor muss also das Central liegen. Aber das Gebäude ganz links wirkt, wie mitten in der Limmat stehend. Nun – das ist tatsächlich der Fall.

Versetzen wir uns nämlich auf die Bahnhofbrücke und blicken zurück dorthin, wo der Unfallfotograf gestanden haben muss, zeigt sich folgendes Bild:

Papierwerdinsel

Während Jahrhunderten befand sich in der Limmat eine kleine Insel, die überbaut war. Weitere Gebäude standen auf Pfählen mitten im Fluss. In einer, allerdings umstrittenen Aktion wurde 1950 alles abgerissen, um den Passanten einen unverbauten Blick auf die Limmat zu ermöglichen. Alles? Nicht ganz. Das sogenannte Globusprovisorium, welches durch die 68er-Krawalle berühmt wurde, ist ein letzter Überbleibsel. Und auch heute wird wieder darüber gestritten, ob auch dieses Gebäude aus dem Fluss raus muss. Historisch Interessierte finden hier noch weitere Bilder.